Titel: Archiv
Die Heilkraft von Gewürzen

Die Heilkraft von Gewürzen


Gewürze sind in der Heilkunde schon lange bekannt


Der Gedanke, dass Gewürze weit mehr können, als nur einen guten Geschmack ins Essen zu zaubern oder die Speisen in heissen Ländern länger haltbar zu machen, ist uns heute eher fremd. Doch Gewürze sind eine wirksame Medizin, die eine breite Palette wertvoller Auswirkungen für unsere Gesundheit in sich bergen.

Würzen ist nicht nur für den Gaumen gut


Das Wissen, dass Würzkunst auch Heilkunst ist, gehört zu den Grundlagen traditioneller Medizin. Aus den uralten Erfahrungen mit heilsamen Wirkungen von Gewürzpflanzen hat sich in Heilsystemen wie dem Ayurveda, der traditionellen indischen Medizin oder in der Heilkunde Chinas über Jahrtausende eine eigenständige Wissenschaft entwickelt, die eine Fülle von vorbeugenden und heilenden Rezepturen mit Gewürzen bereithält.

Scharfes, saures und bitteres für die Gesundheit


Einerlei, welche Empfindungen sie an unserem Gaumen hervorrufen - Gewürze bergen eine Menge erstaunlicher Heilwirkungen in sich. Einige davon sind der Heilkunde schon seit langem bekannt, andere hingegen haben wissenschaftliche Untersuchungen erst kürzlich zu Tage befördert. Alle jedoch zeigen: Es gibt gute Gründe, es bei so manchen gesundheitlichen Störungen mal mit Gewürzen statt Chemie zu versuchen. Gewürze enthalten wertvolle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente in hochkonzentrierter Form. Sie machen die Speisen leichter verdaulich und unterstützen die Aufnahme wichtiger Stoffe aus der Nahrung. Die meisten Gewürze regen den Appetit und den Fluss der Verdauungssäfte an und wirken als natürliche Antioxidantien. Darüber hinaus können Würzkräuter die Folgen einer unausgewogenen Ernährung ausgleichen, den Körper entgiften, Schadstoffe im Gewebe neutralisieren und den Abbau von Schlacken- und Giftstoffen in der Leber unterstützen.

  • Ziehen Sie frische Gewürzkräuter getrockneten vor.
  • Samengewürze wie Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel sollten Sie nie gepulvert, sondern immer als ganze Samen erstehen und erst bei Bedarf in einer Pfeffer- oder Kaffeemühle mahlen.
  • Bewahren Sie getrocknete Kräuter stets gut verschlossen (am besten luftdicht) und lichtgeschützt auf, denn Licht und Sauerstoff nehmen ihnen ihr Aroma und beeinträchtigen damit letztlich ihre Qualität und Wirkung.
  • Getrocknete Kräuter verlieren nach etwa einem Jahr ihre Wirksamkeit und sollten bis dahin aufgebraucht oder aber durch neue ersetzt werden.
  • Frische Kräuter können Sie auch gut einfrieren, indem sie mit Wasser kurz abgespühlt werden und danach wieder getrocknet, einzeln in Plastiktüten ins Gefrierfach gelegt werden.


Kleine Gewürzkunde


Anis


Die kleinen, graubraunen Früchte der Anispflanze gehören zu den besten verdauungsfördernden Gewürzkräutern. Anis hat eine ausgeprägte hustenreizlindernde Wirkung, entschärft blähende Speisen und stärkt den Magen. Lauter gute Gründe, warum die aromatischen Samen seit der Antike bis heute ein hochgeschätztes Würzmittel sind. Von Brotsorten über süsse Backwaren bis hin zu Saucen und Salaten - all dies erhält durch Anis den letzten Schliff. Anis entbläht und fördert die Verdauung, lindert Hustenreiz, wirkt antiseptisch, wirkt krampf- und schleimlösend.

Basilikum


In der magischen Literatur der Antike und des Mittelalters galt der weissblühende Lippenblütler als (der Sage nach hochwirksamer) Liebeszauber. In Indien wird das Basilikum gar als heilige Pflanze verehrt. Basilikumblätter verleihen zahllosen Gerichten der mediterranen Küche ihr köstliches Aroma und unterstützen zugleich die Verdauung. Äusserlich empfiehlt sich der frisch gepresste Blattsaft gegen Pilzinfektionen der Haut. Dazu verreibt man zweimal täglich den frischen Saft auf den betroffenen Hautpartien und lässt ihn etwas einziehen.

Chili


Dieses schärfste aller Gewürze brachten die spanischen Eroberer aus Südamerika nach Europa. Die Früchte des ausdauernden Nachtschattengewächses haben eine ganze Reihe wohltuender Effekte, die sie für medizinische Zwecke geradezu prädestinieren. Besonders genannt sei der Wirkstoff Capsaicin, der dem Chili seine Schärfe verleiht, die Verdauungssäfte anregt, beim Kontakt mit der Mundschleimhaut die Ausschüttung von Endorphinen bewirkt, kräftigt und desinfiziert, Verschleimungen in den Atemwegen löst, die Speichel- und Magensaftsekretion und die Durchblutung fördert, den Kreislauf anregt, Blutgerinnseln vorbeugt und deren Auflösung fördert.

Fenchel


Die alten Griechen schätzten Fenchel als Hilfsmittel zur athletischen Traumfigur, Chinesen und Hindus nutzten ihn bei Schlangenbissen und Vergiftungen, und im Mittelalter galt er als Schutzmittel vor bösem Zauber und Hexenkräften. Der heilkundige Pfarrer Sebastian Kneipp schätzte Fenchel als Husten- und Beruhigungsmittel bei Kindern sowie bei Asthma. Fenchel löst Krämpfe, fördert die Darmperistaltik, lindert Augenleiden und -entzündungen, wirkt husten- und schmerzlindernd, beruhigt überreizte Nerven und fördert den Schlaf.

Ingwer


Ingwer ist in Asien, vor allem in China, seit Jahrtausenden geschätzt. Bei Magenbeschwerden, sogar bei Magengeschwüren, kann eine Behandlung mit Ingwer erfolgreich sein. Ingwersaft ist ein ausgezeichnetes Tonikum, das den Appetit und die Verdauung anregt. Um ihn zu gewinnen, schabt man ein Wurzelstückchen mit einer Reibe und presst den so gewonnenen Brei durch ein Leinentuch. Ingwer senkt erhöhten Cholesterinspiegel und Blutdruck, lindert Schmerzen, reguliert die Funktionen des Magen-Darm-Trakts und stärkt Herz- und Immunsystem.

Koriander


Seinen Beinamen «Wanzenkraut» hat der Koriander dem unangenehmen Geruch nach Wanzen zu verdanken, den er ausströmt, wenn man seine Blätter zerreibt. Als heilkräftiges Gewürz wirkt er verdauungsfördernd und appetitanregend, er fördert die Darmperistaltik, entbläht, entschlackt und entwässert, lindert Entzündungen im Verdauungssystem und in den Harnwegen und regt Kreislauf und Durchblutung an.

Kümmel


Die Kräuterbücher vom Altertum bis in die Neuzeit rühmen den Kümmel, um «Winde zu vertreiben» und als «für Magen und Geschmack gar köstlich». Bis ins Mittelalter hinein war es üblich, die Speisefolge bei Festgelagen mit «Kümmel in Zuckerwerk» zu beschliessen. Kümmel ist verdauungsfördernd, vor allem bei fetten, schweren Speisen und das beste pflanzliche Mittel gegen Blähungen sowie Magen- und Darmkrämpfe. Er lindert auch Verdauungsbeschwerden bei Säuglingen, hilft bei Appetitlosigkeit, Koliken, Husten und sorgt für frischen Atem.

Majoran


In der Antike war Majoran der griechischen Göttin der Schönheit und Liebe, Aphrodite, geweiht, und man versetzte Wein mit Majoran, um das Verlangen der oder des Angebeteten zu erwecken. Doch nicht nur amouröser Zwecke wegen fand der Lippenblütler grosse Wertschätzung; er lässt auch Geschwüre leichter abheilen, lindert Nervenschmerzen und den Schmerz bei Verstauchungen, wirkt antiseptisch, hilft bei Magen-Darm-Beschwerden und fördert die Verdauung.

Muskat


Die ursprüngliche Heimat der Muskatnuss, wie übrigens auch der Gewürznelke, sind die Molukken, heute zu Indonesien gehörende «Gewürzinseln». Von dort gelangten die Muskatnüsse über arabische Seefahrer im 6. Jahrhundert n. Chr. auch nach Europa.
Muskat beruhigt Nerven und Geist, regt die Verdauung an, hilft bei Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Bauchkrämpfen, Schlafstörungen, nervöser Unruhe und Harninkontinenz.

Petersilie


Das allgegenwärtige und unentbehrliche Küchenkraut ist reich an Vitamin A, B und C, Eisen, Kalzium und anderen wichtigen Mineralstoffen. Ausser die Verdauung und die Nierentätigkeit anzuregen, vermag Petersilie Quetschungen, Stauchungen und Menstruationsbeschwerden zu lindern und ist ein hervorragendes Reinigungsmittel für fette, unreine Haut. Sie wirkt harntreibend, entschlackend und entwässernd, lindert Schmerzen und fördert die Verdauung.

Pfefferminze


Die wohl bekannteste Minenzart findet in allen Tees gegen Magen- und Darmbeschwerden oder Übelkeit Anwendung. Pfefferminztee ist auch bei starken Menstruationsschmerzen überaus wirksam. Das ätherische Öl der Minze ist ein beliebter Inhalationszusatz bei Husten und Schnupfen. Die Pfefferminze ist verdauungsfördernd und appetitanregend, wirkt antiseptisch, hilft bei Verdauungsbeschwerden aller Art, bei Magenschmerzen, Blähungen, Übelkeit, bei Erkältungen und Grippe.

Rosmarin


Rosmarin war im Altertum wohl die am meisten geschätzte Heilpflanze; darauf lassen zumindest die zahlreichen Huldigungen an seine heilkräftige Wirkung schliessen.
Rosmarin fördert die Verdauung, stärkt Herz und Magen, regt den Kreislauf an und hilft bei Rheuma, Gicht, Hexenschuss, Kopf- und Halsschmerzen.

Salbei


Seit Jahrhunderten verbürgt sind die heilkräftigen Wirkungen der Salbeipflanze. In den Schriften der berühmten Ärzteschule von Salerno steht zu lesen: «Warum soll der Mensch sterben, dem Salbei im Garten wächst». Salbei wirkt beruhigend, antiseptisch und entzündungshemmend. Er reinigt das Blut, lindert die Beschwerden bei allen Erkrankungen der Atemwege sowie bei Magen- und Darmentzündungen, Erkältungen, Bronchitis, krankhaftem Schwitzen, Hautentzündungen, Hämorrhoiden und Afterjucken.

Thymian


Thymian ist vom griechischen «thymos» (=kräftig) abgeleitet, denn im antiken Hellas galt der Lippenblütler als stärkender Duftstoff, den man Bädern zusetzte, sowie als Symbol von Gesundheit und Kraft. Er wirkt antibakteriell und desinfizierend, lindert die Beschwerden bei Halsentzündungen, Erkältungen und Grippe. Bei allen entzündlichen Zuständen in Hals, Bronchien und Lunge wirkt Thymian wohltuend und krampfstillend. Er beruhigt die Magennerven und entbläht, ausserdem regt er die Drüsensekretion an.

Tipp-Archiv