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Schlank macht nicht krank

Schlank macht nicht krank


Teil 2


Ohne Fett fehlt der richtige Geschmack, ohne Stärke geht das Knackige und Knusprige dahin. Am Anfang führt man sich einfach weniger von der schalen Kost zu Gemüte, bis das Mangelgefühl die Willenskraft und die Therapietreue unter-räbt. "Menschen werden nur abnehmen, wenn sie insgesamt Nahrungskalorien einsparen", bringt Nicolai Worm das Problem auf den Punkt. Den Beweis hat der New Yorker Mediziner Rudolph L. Leibel in der metabolischen Kammer erbracht, die eine genaue Kontrolle über jede Kalorie und jedes Gramm Gewicht erlaubte. Egal, ob der bunt gemischte Speiseplan 0 oder 70 % Fett enthielt: Für die Gewichtszunahme kam es nur auf die Zahl der Kalorien an. Wer sein Gewicht reduzieren will, sollte nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zunächst einen bestimmten Wert als Ziel festlegen. "Dabei wäre es kontraproduktiv, nach 17-jährigen Nymphen aus der Modebranche oder Waschbrettbauch-Asketen der Werbung zu schielen." Realistischer ist da schon eine Orientierung am Sollgewicht, bei dem man sich wohl fühlt und das der Gesundheit nicht schadet. Zudem sollte man seine Motivation überprüfen: Will ich mir selbst zuliebe abnehmen oder weil der Partner es fordert? Menschen, die es anderen recht machen wollen, haben es schwerer, Gewicht zu verlieren. Überhaupt spielen psychologische Faktoren eine grosse Rolle, weil das Abnehmen im Kopf anfängt. Sturheit und Strenge bringen wenig. Deshalb raten Therapeuten: Keine Verbote aufstellen, sondern sich kleinste Schritte vornehmen, die weniger Verzicht bedeuten, und wenn es statt sechs Tafeln Schokolade in der Woche erst einmal nur noch fünf sind. Ausschlaggebend sind Ruhe und Geduld. Denn Blitzaktionen helfen nicht. "Nur eine dauerhafte Lebensumstellung zu einer kalorienreduzierten Mischkost und mehr Bewegung bringen langfristig Erfolg", hebt auch die Stiftung Warentest hervor.

Bei der Erhaltung einer schlanken Linie ist körperliche Betätigung wirklich angebracht, unter anderem, weil die antrainierte Muskelmasse den Grundumsatz erhöht. Doch jeder muss seine individuelle Lösung finden. Leitsätze könnten beispielsweise sein: Höre auf, wenn du satt bist. Lass dich nicht zum Essen überreden, wenn du gar nicht willst. In einem Punkt sind sich alle Experten einig: Vorbeugung wäre im Kampf gegen die Pfunde die beste Medizin. Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren legen sich viele Erwachsene einen mehr oder weniger ansehnlichen Speckgürtel zu. Wenn sich dieser kollektive Fettansatz im Twen-Alter vehindern liesse, wäre ein entscheidender Schritt gegen die Geisel Übergewicht getan. In diesem Sinne meldet sich auch Jerome P. Kassirer, Herausgeber des "New England Journal of Medicine" zu Wort: "Es bringt viel mehr, vorzubeugen, als auf die Dicken zu schlagen, die ohnehin nicht mehr viel daran ändern können".

Scharfes entschärft Kalorienbomben. Pfeffern hilft überschüssiges Fett abzufackeln. Nach neusten Forschungsberichten lässt sich zumindest ein Teil der brisanten Fettkalorien unschädlich machen, wenn man den Mahlzeiten mit scharfen Gewürzen "Feuer" gibt. Fette und Öle sind für die schlanke Linie nicht nur wegen ihres hohen Brennwertes gefährlich, stellt eine Forschergruppe um den Mediziner Mayumi Yoshioka von der Universität Quebec fest: Nach dem Konsum von stark fetthaltigen Gerichten bleibt die durch das Essen angeregte Wärmebildung, die "nahrungsinduzierte Thermogenese", aus. Auch direkt nach dem Essen wird Wärme gebildet, weil der Körper einen Teil des aufgenommenen Brennwertes direkt wieder abfackelt. Die nahrungsinduzierte Thermogenese dient möglicherweise dazu, die Gefahr von Übergewicht zu vermindern; bei Fettleibigen läuft diese Wärmebildung nur "auf Sparflamme" ab. Allerdings regen hauptsächlich Mahlzeiten mit einem hohen Gehalt an Eiweiss und Kohlenhydraten den Organismus zur Verbrennung der Kalorien an. Speisen mit hohem Fettgehalt lassen den Heizapparat weitgehend kalt. Man vermutet schon länger, dass scharfe Gewürze die Thermogenese schützen, einfach weil das Pfeffern subjektiv ein Gefühl von Hitze erzeugt. In der Tat bestätigten die ersten Tierversuche, dass der Energieumsatz steigt, wenn man dem Futter Feuriges wie Chili oder Senf beimengt. Die meisten Scharfmacher haben den Inhaltsstoff Capsaicin gemeinsam, der die brennende Note erzeugt. Im entscheidenden Experiment haben die kanadischen Forscher jetzt Probanden Mahlzeiten dargeboten, die entweder einen sehr hohen Fett- oder einen sehr hohen Kohlenhydrat-Gehalt besassen. Ein Teil dieser Gerichte war mit Cayennepfeffer gewürzt. Quintessenz: Bei den Versuchspersonen, die das Menü mit dem hohen Fettgehalt gegessen hatten, kurbelte der Cayennepfeffer die Thermogenese mächtig an. Sowohl der Energieumsatz als auch der Sauerstoffverbrauch gingen um 30 % hoch. Bei den Mahlzeiten, die viel Stärke enthielten, hatte der Pfeffer nur einen schwachen Effekt, aber diese heizten den Körper auch ohne Schärfe an.
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