Nährstoffreichster Teil des Korns ist der Keim. Die Schutzhülle besteht fast nur aus Zellulose; der mittlere Teil enthält vorwiegend Stärke. Nur auf den äussersten Schichten findet man Proteine, Mineralstoffe und Vitamine. Im Keim hingegen konzentrieren sich die Nährstoffe, die er für sein Wachstum benötigen wird: Aminosäuren, Fettsäuren, reichlich Mineralstoffe und verschiedene Spurenelemente, die ganze Gruppe der B-Vitamine sowie ein Rekordanteil an Vitamin E. Dies ermöglicht das explosive Wachstum der jungen Pflanze während der ersten Tage.
Seit der Mensch diesen Nährstoffreichtum erkannt hat, hat er den Keim vom restlichen Korn zu trennen versucht, um ihn so für sich in konzentrierter Form verfügbar zu haben. Das gefundene Verfahren ist einfach: Nach dem Mahlen des Korns werden mit Hilfe eines Siebs die grösseren und dichteren Teile des Keims von den feineren und leichteren des Mehls getrennt.
Der gewonnene Weizenkeim besteht aus kleinen Flocken, die so genossen oder einer Speise beigemengt werden, ungefähr 2 bis 3 Esslöffel täglich. Wird er regelmässig konsumiert, deckt er zahlreiche Nährstoffmängel und stärkt einen geschwächten oder kranken Organismus und die Gesundheit schlechthin.
Nützlich und reichhaltig an sich, wird der Wert durch das Keimen noch erhöht. Kommt der Keim mit Wasser in Kontakt, erwacht er aus seinem Schlaf. Seine Stoffwechselfunktionen werden beschleunigt dank der Flüssigkeit, die den Zellaustausch ermöglicht. Der Keim-vorgang ist zudem begleitet von einer intensiven Umwandlung der im Korn enthaltenen Substanzen.
Während dieser Umwandlung ereignet sich Ausserordentliches: Dank der Enzyme im Keim werden neue Nährstoffe hergestellt, der Gehalt wird auf spektakuläre Weise erhöht. Der Kalziumgehalt zum Beispiel steigt innert einiger Tage von 45 mg im trockenen Korn auf 71 mg pro 100 g, Phosphor von 423 auf 1050 mg, Magnesium von 133 auf 342 mg. Die Erhöhung des Vitamingehalts beträgt 20 % für das Vitamin B1, 45 % für B5, 200 % für B6, 225 % für das Provitamin A, 300 % für E und B2 und 500 % für das Vitamin C. Ein Zuwachs essentieller Aminosäuren findet ebenfalls statt. Der Anteil Lysine steigert sich zum Beispiel auf das Fünffache.
So ist denn gekeimter Weizen ein noch reichhaltigeres Nahrungsergänzungsmittel, als es der aus dem trockenen Weizenkorn extrahierte Weizenkeim ist. Er ist auch leichter erhältlich, denn er kann problemlos zu Hause aufbereitet werden. Es genügt, Weizenkörner zum Keimen in einen Teller oder in ein Gefäss zu geben. Schon nach drei bis vier Tagen, wenn der Keimling einige Millimeter lang ist, ist er essbereit.
Die wohltuende Wirkung gekeimten Weizens ist seit langem bekannt. Die Chinesen und verschiedene orientalische Völker verwendeten ihn regelmässig. Die Essener, ein Volk, das im 3. Jh. V. Chr. Lebte, ernährte sich reichlich davon, ebenfalls das Volk der Hunza (Indien), bekannt als "Volk, das keine Krankheit kennt". Man erzählt ausserdem, die Besatzung des Kapitäns Cook habe während der langen Meerreisen Korn gekeimt zur Vorbeugung gegen Skorbut.
Der Weizenkeim liefert zudem ein nützliches Nebenprodukt: das Weizenkeimöl. Wertvoll ist sein hoher Anteil an Vitamin E (neben der Spirulina die reichhaltigste Quelle!). Das Öl ist kostbar: Für einen Liter müssen die Keime von 15000 kg Weizen gepresst werden!
Weizenkeimöl ist etwa viermal reicher an Vitamin E als der Keim; doch als Auszug enthält es ausser diesem und weiteren fettlöslichen Vitaminen (Vitamin F) keine der übrigen Nährstoffe, die den Reichtum des Weizenkeims ausmachen.